Mystics in Bali (1981)

„Ich muss mir kurz deinen Kopf ausleihen.“

Die US-amerikanische Autorin Catherine reist nach Bali, um in die schwarzmagische Kunst des „Leák“ eingeführt zu werden. Ihr einheimischer Freund Mahendra macht sie mit einer zwielichtigen Leák-Meisterin bekannt. Die Hexe bringt Catherine ihr allerlei Rituale bei – vornehmlich manisches Lachen und erratisches Tanzen. Sie ist allerdings böser als gedacht: Sie bemächtigt sich des Kopfes ihrer Schülerin und lässt ihn des Nachts herum schweben, um Blut für sie zu sammeln. Mahendra versucht, seine Freundin vom Einfluss der Zauberin zu lösen. Aber das ist einfacher gesagt, als getan.

Leák (1981), auch bekannt als Mystics in Bali, ist ein indonesischer Horrorfilm, der sich mit der mythologischen Figur des Leyak beschäftigt; ein fliegender Kopf, der mitsamt Innereien durch die Nacht schwebt und das Blut neugeborener Babys aufsaugt. Diese Legende mag IndonesierInnen vertraut sein; dem westlichen Publikum wird sie seltsam erscheinen, zumal der Regisseur H. Tjut Djalil keine Zeit damit verschwendet, das Geschehen zu erläutern. Hier tut sich eine kulturelle Differenz auf, die eine objektive Rezension erschwert. Gleichwohl muss festgehalten werden: Dieser Film ist ein wunderbar wahnsinniger Trip, der Trash-Fans ein entzücktes Lächeln aufs Gesicht zaubern wird.

Gehen wir die Checkliste durch: manisches Gelächter, erratische Tanzeinlagen, ein Kampf unter Schweinen, ausgekotzte Mäuse, magische Tattoos, … Klingt alles sehr spassig. Das ist es vor allem deswegen, weil die beiden Hautfiguren auf diese Verrücktheiten seltsam gelassen reagieren. Catherine, sinngemäss: „Lass mich die Schülerin dieser verrückten alten Hexe werden. Schwarze Magie, yay! Was kann da schon schief gehen?“ Am nächsten Tag: „Oje, vielleicht habe ich letzte Nacht jemanden getötet! Hmm. Ach egal, küssen wir uns!“ Catherine und Mahendra – das sorgloseste Pärchen der Filmgeschichte.

Inmitten all des Chaos gibt es einige Sequenzen, die durchaus effektiv sind: Die Spezialeffekte sind zwar billig, wirken aber zuweilen verstörend. Diese ernsthaft gruseligen Momente lassen sich jedoch an einer Hand abzählen. Die Geschichte an sich wird ist äusserst holprig erzählt. Gegen Ende überstürzen sich die Ereignisse; es tauchen Figuren auf, die vorher kaum eingeführt worden sind. Und inmitten eines epischen Kampfes unter Zauberern ist plötzlich Zeit für eine ausgedehnte, melodramatische Liebesszene. Manche Momente sind reichlich unbeholfen: Etwa dann, wenn Mahendra eine gefühlte Stunde auf den Oberschenkel seiner Freundin stiert. Das Ende ist hoffnungslos überhastet; da hätte man sich ein paar Minuten mehr Zeit lassen können.

Leák ist ein spannender, wenn auch ungelenker Einblick in die Welt der indonesischen Mythen; er schockiert selten, unterhält aber durchweg mit obskuren Ideen und Spezialeffekten. Für Freunde des abseitigen Kinos ist dieser Titel ein Muss. Aber nicht den Kopf verlieren! (Entschuldigung. Das musste sein.)

4/10

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